Der Familienname Scheuffler ist in allen Ländern deutscher Zunge angetroffen worden. Die frühesten Jahreszahlen, unter denen er zu finden gewesen ist, reichen bis ins 14. und 15. Jahrhundert, wie wir den Ermittlungen des Professors Dr. Knothe aus Dresden, des gründlichsten Kenners der Lausitzer Geschichte verdanken. Damalige Träger des Namens waren in Bautzen, Löbau und anderen lausitzer Städten lebende Personen in wohlhabenden Verhältnissen und angesehenen Berufsständen, die ältesten Urkunden bringen den Namen noch nicht in der heutigen Schreibweise, er lautet da Schuffeler oder ähnlich, es findet aber später bezüglich der nämlichen Familien in unzweifelhafter Weise der Übergang in Scheuffler statt.1382 ist ein Dietrich Schaufler Ratsherr in Bautzen. 1410 findet sich ein Petrus Schufler de Budyssin als Student der Universität Leipzig inscribiert. 1422 wird Wenceslaus Dictus Schuffler de Budyssin clerius Missnensis divec. bestätigt zum Altare Mariae Petri Andreae in der Pfarrkirche zu Zittau auf Präsentation des Gregor Schuffler, Bürgers zu Zittau, als Vormund der Weisen Georg und Barbara Erben weiland Johannes Schuffler’s aus Bautzen.

Laut handschriftlicher Urkunde vom 11. März 1432 bestätigt der Landvoigt Albrecht von Colditz, dass Heinrich Porsche, Bürger zu Löbau, seinem Eidam Peter Schuffeler, Bürger zu Bautzen, freiwillig abgetreten hat die Hälfte der nachstehenden Güter und Zinsen: halb Dologwitz u.s.w. zu Lehen und nicht dem Peter Schuffeler diese Güter u.s.w. zu Lehen.

In der handschriftlichen Urkunde d.d. Basel 1434 Mai 11. reicht Kaiser Siegmund den Brüdern Peter, Gregor Heinrich und Wenzlow Schuffeler und lgnazius Gregor und Caspar Schuffeler halb Dolgowitz u.s.w. zu Lehen.

Ferner urkundet zu Bautzen unterm 9. Dezember 1471 der Landvoigt Friedrich Herzog in Schlesien u.s.w., dass der ehrsame Heinrich Scheuffeler Bürger zu Bautzen, verkauft habe diese nachgeschriebenen Güter bei der Lobaer gelegen, nämlich die große Swognitz u.s.w. dem ehrsamen weisen Benedicto Dorrheiden zu der zweite (?) Bürgermeister zu Budissin und reicht dieselben letzterem zu Lehen, doch unschädlich dem Könige an seinen Diensten und der tugendsamen Frowen Margarethen Scheufflewyn, Peter Scheuffeler’s (also desselben Namens, der in der vorerwähnten Urkunde vom Jahre 1432 Peter Schuffeler genannt ist) dem gab Gnade, nachgelassene Wittwen u.s.w. In Lauban war Matthias Scheufler im Jahre 1580 zu wiederholten Malen Bürgermeister, er wurde nach Neiße vertrieben, kehrte aber später wieder nach Lauban zurück, wo er 1593 elendiglich verstarb.

Von ihm stammt ein durch unseren Vetter Arthur Scheuffler ausfindig gemachtes

„Poem von der Nahrung der Sechsstädte“:

Versehen ist ein jede Stadt

Von Gott aus sonderlichem Rath

Mit eigner Nahrung, Gewerb und Gabe

Dass sie sich zu erhalten habe.

1. Zu Görlitz ist ein guter Handel.

2. Zu Lauban Gerstebier ahn‘ Wandel

ein gutes Tuch mit schönen Röthen

hilft ihnen auch aus fJar viel Nöten.

3. Ein Weitzenbier und Ackerbau

erhellt die Bürger zu Zittau

4. Budissin hält Handwerk in Blüth

5. Camenz hat auch ein Bier sehr gut

6. Die Löbau sich des Ackers mehrt,

der Segen Gottes alles mehrt.

 

Es wäre erfreulich, könnten wir unsere Abstammung in so ferner Vorvergangenheit und auf die angesehenen Patrizierfamilien in Bautzen und Löbau zurückführen, es fehlt aber hierfür nicht nur jeder Anhalt, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, zumal wenn man die Verschiedenheit der Entstehung des Geschlechtsnamens zwischen hier (Schuffeler) und dort (Scheunfeld, wie weiter unten zu lesen) in Betracht zieht; dazu die nach damaligen Begriffen große Entfernung zwischen der Lausitz und dem Meißner Lande.

2.

Mit größerer Wahrscheinlichkeit werden als ein blutsverwandter Stamm zu betrachten sein die Schäuffler, die um die Mitte des 16. Jahrhunderts bis um die Mitte des folgenden in den Dörfern Linz und Ponickau ansässig waren.

Das älteste Handelsbuch von den Patrimonialgerichten zu Linz weist bereits auf dem Titelblatt i.J. 1550 Matz Schäffler als Richter des Orts aus und lässt in seinem Inhalt einen kleinen Stammbaum aufstellen.

Matz oder Matthes mit einem Gute oberhalb des Mühlteiches ansässig, verkauft hochbejahrt dieses an einen gewissen Montag 1561, er starb im selben Jahre und hinterließ sein Weib die „alte Marthe“ , zwei Töchter, an Georg Nisse und Hans Letztke verheiratet, und drei Söhne, Orban, Wolf und Martin. Martin folgte dem Vater im Richteramt und starb 1596. Wolf war in Ponickau verheirateUwohnhaft (?. ).

In der Folgezeit werden als Grundbesitzer hier und in Linz Michael, Matthes, Martin Schäuffler genannt. Nach dem Jahre 1640 kommt der Name in jenen Handelsbüchern nicht mehr vor und gegenwärtig lebt niemand unseres Namens in den genannten Dörfern. Nicht weit, 1 % Stunden entfernt davon, in dem jetzt preußischen Dorfe Großthiemig, gab es bis vor kurzem eine Familie, deren einer Sprossen, Johann Gottlob Schaufler, Auszügler in Zabelitz, ich gesprochen und über seine Familie befragt habe. Seine Wissenschaft reichte nicht über seinen Vater hinaus, Johann Christian, der etwa 75 Jahre alt 1831 zu Großthiemig starb und vier Söhne und eine Tochter hinterließ. Der älteste war der, den in den 60-er Jahren Onkel Wilhelm Scheuffler vor dem Meißner Bezirksgericht wegen eines Eigenturnvergehens zu verteidigen hatte.

Mein oben genannter Gewährsmann, dessen einziger Sohn Johann Gottlob Bierschröter in Plauen bei Dresden ist, wollte von seinem Vater haben erzählen hören, dass sie in Meißen und Lommatzsch wohlhabende Verwandtschaft hätten. Des alten Mannes Gesichtsbildung erinnerte an die weichen Züge im Bilde meines Großvaters.

3.

Im Jahre 1591 wird in Halle an der Saale lt. Bürgerrolle ein Salzwinker Franz Scheuffler von Soden bei Allendorf Bürger der Stadt.

4.

Im Kirchenbuche zu St. Afra und in Kaufbüchern sind genannt: Michael, des Georg Scheuffler , Gutsbesitzer in Pohlenz Sohn, geb. 1602 am 12. Dezember. Ein Michael Scheuffler kaufte 1640 ein Gut in Semmelsberg, 1649 lebte er zu Sornitz Das sind bei der Nähe der genannten Orte zu Bockwen, muthmaßlich nahe Verwandte unserer Familie.

5.

Eine Gruppe, vielleicht Nachkommen des eben genannten, etwas veränderungslustigen Michael Scheuffler habe ich in Akten der früheren Patrimoniumsgerichte für Lorenzkirchen, den altbekannten Marktort, Strehla a. Elbe gegenüber, gefunden.

Michael Schäuffler verkauft 1705 wegen vorgerückten Alters seiner Frau Elisabeth von deren Vater ererbtes Haus zu Lorenzkirch an seine Tochter Christiane, wobei auch zwei Söhne genannt werden: Hauß und Adam Ersterer starb 1744 und hinterließ, Besitzer eines ansehnlichen Gutes im benachbarten Zschepa, fünf Kinder:

Hans Christoph, 16, Marie Elisabeth, 12, Christiane Sophie, 10, Johann Gottlob,?, und Johanne Regine, 3Jahre alt. Hans Christoph kaufte 17 49 die Schiffmühle zu Zschepa, die er 1764 weiter veräußerte. Johann Gottlob hatte das väterliche Gut zu eigen bekommen und verkaufte dies 1764, als er Dragoner des Hauptmanns von Brüggen Compagnie des Sächs. Dragonerregiments war, an seinen Bruder, den Schiffmüller. Weiteres über diese Familie ist nicht zu ermitteln.

In der Lausitz lebte ein Scheufler zu Deutsch-Ossig bei Görlitz, 1808 geboren, in Berna und später in Reutnitz bei Ostritz ansässig war, und 1878 starb. Dessen Sohn Ernst Scheufler , geb. 1836, ist Steuerbeamter in Döbeln und hat zwei Söhne, Ernst Eugen, 1870, und Gurt William, .187 4 geboren. Ein Vetter Johann Gottlieb, s, namens Johann Gottfried in Mostrich bei Seidenberg geboren, ist 1855 nach Annaburg in Brasilien ausgewandert.

Vereinzelt ist der Name, wie gesagt, in allen Gauen Deutschlands gelesen worden. Das Adressbuch jeder größeren deutschen Stadt weist ihn auf. Unser sei. Vetter Hans hat auf dem Panorama des Zeschkenberges bei Reichenberg i.B. eine Bergkuppe mit dem Namen Scheuflerspitze bezeichnet gefunden. Es ist zu vermuten, dass der Name Scheuffler , wie viele deutsche Familiennamen (Müller, Schneider, Böttger, Schäffler u.s.w.) ein Gewerbe, den Beruf von Leuten, die mit der Schaufel hantieren oder solche verfertigten, zu bezeichnen hatte.

 

Als ich mich einmal an den Professor der Universität Leipzig, den (i.J. 1891 verstorbenen) Geh. Rath Dr. Harncke mit der Anfrage wandte, ob ihm in der deutschen Sprache unser Name als Bezeichnung eines Berufsstandes bekannt sei, erhielt ich von ihm die Auskunft, dass ihm das Wort Schäuffler als Appelativum nur im Schwäbischen „für Leute, die auf Saumtieren Handel treiben“ vorgekommen sei, ohne dass er den Übergang der Bedeutungen aufzudecken vermöge.

 

Während nun auch diese Erklärung wenig passend für unsere Bockwener Vorfahren erscheinen möchte, fand sich eine andere in den über unsere Vorfahren Auskunft gebenden Urkundenbüchern selbst. Bei persönlicher Durchsicht der ältesten Blätter der Kirchennachrichten von St. Afra fiel mir auf, dass der Name, den mir der Kirchenbuchführer durchweg mit „Scheuffler“ ausgeschrieben hatte, an manchen Stellen sich nicht anders lesen ließ als Scheinfelt, während doch nach den beigefügten Vornamen, den Wohnort und allen anderen einschlägigen Verhältnissen nicht der mindeste Zweifel bestehen konnte, dass die als Scheinfelt aufgeführten Personen die nämlichen seien, die in den nächstfolgenden Jahrgängen desselben Buches wie in gleichaltrigen Gerichtsakten Scheuffler geschrieben worden. Noch deutlicher ergibt sich diese Namenswandlung aus dem Kaufbuche des Meißner Kreisamtes. Jener allererst erwähnte Abraham und sein Vater Lodewig kommen in ein und demselben Text des Kaufvertrages vom 19. Juli 1563 als „Scheunefeld“ und „Scheufelt“ vor.

 

Weiter fand ich einen Kaufvertrag vom Jahre 1604, in welchem Andreas „Scheunfeld“ von Haussen Schumann zwei Häuser in der Wasserburg um 200 fl. erkauft, so steht der Name des Käufers als Überschrift in druckähnlichen Buchstaben geschrieben, im Text desselben Kaufes erscheint bereits die Schreibweise Scheufeld, als in den nächstfolgenden Jahren der Käufer je 25 fl. gestundeten Kaufgelder zahlt, findet sich von derselben Hand aufs deutlichste Andreas „Scheuffler“ geschrieben.

Das Wort Scheunfeld steht wenigstens mit dem Berufe unserer Vorfahren, der Landwirtschaft in Beziehung; das rein deutsche Wort kann als Beweis für unsere rein deutsche Abstammung angezogen´werden, wofür ja auch die Lage unseres Ursprungsortes Bockwen , auf dem linken Elbufer in nächster Nähe der deutschen Burg Meißen, spricht. Von Anfang des 17. Jahrhunderts ab bleibt aber in allen übrigen aufgefundenen Urkunden die heutige Schreibweise unseres Namens unverändert, das gilt mit sehr wenig Ausnahmen auch vom doppelten f.

Soweit eigenhändige Namensunterschriften unserer Vorfahren auf uns gekommen sind, lesen wir ausnahmslos ff; so in zahlreichen Fällen Martins, des Stadtrichters und Bürgermeisters zu Lommatzsch, Namen desgleichen seiner Söhne Gottfried, Pfarrers zu Zwönitz und Johann Gottlob· s, des letzteren Söhne Christian Gottlob und Sigismund Gottlob, Heinrich Gottlob.

 

Es war reine Willkür, als zu Anfang dieses Jahrhunderts die drei Brüder Hans Wilhelm, Fritz und Leberecht ein f streichen ließen und sich fortan Schaufler schrieben: Daran ist in der sonst so einheitlich gesinnten Familie eine immerhin leidige Verschiedenheit entstanden, von der zur Forderung des Zusammenhalts auch in der Folgezeit zu wünschen wäre, dass sie durch freiwillige Rückkehr zum ff wieder beseitigt würde.

Von einem Familienwappen hat sich in den älteren Urkunden nichts finden lassen, wie denn in den vorweggegangenen Jahrhunderten die Wappenführung vornehmlich nur vom Adel gepflegt wurde. Auf einem Schreiben Martin Scheuffler· s vom Jahre 1723 befindet sich ein Siegelabdruck, der, soweit er in Folge Zerbröckelung noch zu erkennen ist, ein einfaches S enthält. Denselben Gegenstand stellt das Siegel auf einem Schreiben des Advocat Johann Gottlob Scheuffler vom Jahre 1735 dar. Das Siegel Christian Gottlob Scheuffler‘ s, iuris practici zu Lommatzsch auf einem Schreiben vom Jahre 1773 weist einen traubentragenden Weinstock, das des Lic. Friedrich Gottlob Scheuffler einen Vogel, der sich in die Brust beißt(1750) auf.

Die gekreuzten Schaufeln mögen, wie alle sogenannten „redunden Wappen“ jüngeren Datums sein und über das laufende Jahrhundert nicht zurückreichen.

 

Möge der gute alte Name allzeit in Ehren bleiben!

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