Die Scheufflers und die Universität Leipzig

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Vor kurzem erhielt das Universitätsarchiv Leipzig eine interessante Familienchronik aus Bayern – sie berichtet über das Schicksal der Familie Scheuffler.

Schon 1410 immatrikuliert sich ein Student namens Petrus Schufler aus Bautzen an der Universität Leipzig, 1425 und zuletzt 1444 nehmen weitere Scheufflers aus Bautzen ein Studium in Leipzig auf. Es handelt sich damals um Sprösslinge aus vermögendem Hause, denn jeder der jungen Männer konnte die volle Studiengebühr entrichten.

Schwurblatt aus der Matrikel von 1409. Petrus Schufler aus Bautzen leistete darauf im Sommer 1410 seinen Gehorsams-Eid gegenüber dem Rektor, dem Mediziner Helmold Gledenstedt aus Salzwedel. Universitätsarchiv Leipzig, UAL Rektor_M01_0009.jpg
Schwurblatt aus der Matrikel von 1409. Petrus Schufler aus Bautzen leistete darauf im Sommer 1410 seinen Gehorsams-Eid gegenüber dem Rektor, dem Mediziner Helmold Gledenstedt aus Salzwedel. Universitätsarchiv Leipzig, UAL Rektor_M01_0009.jpg

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten studieren keine Scheufflers mehr in Leipzig, und in der Familienchronik, die im Jahre 1896 entstanden ist, lässt sich ein sicherer Familienstammbaum erst ab dem Jahre 1530 nachweisen. Die Familie Scheuffler ist seit der Reformationszeit um Meißen herum ansässig und betreibt mit wechselndem Geschick Landwirtschaft, Gasthöfe und Kaufmannsgeschäfte.

Schriftlich belegbar, schickt ein Martin Scheuffler 1711 seine beiden Söhne erst auf das Fürstengymnasium St. Afra und dann zum Theologie- bzw. Jurastudium nach Wittenberg. In den nachfolgenden Generationen studieren immer wieder Kinder aus diesem Familienzweig, doch besuchen sie zumeist die Universität in Wittenberg.

Erst nach der Gründung des Königreiches Sachsen beziehen die Scheufflers für ihre Theologie- oder Jurastudien stets die Landesuniversität in Leipzig. Seit 1820 bis zum Universitätsjubiläum von 1935 lassen sich 28 Scheufflers in Leipzig immatrikulieren.

Im 20. Jahrhundert teilte auch diese alte sächsische Familie das Schicksal vieler Landsleute. Hans Bernhard Scheuffler, der in Leipzig Jura studierte und promoviert wurde, fiel 1942 im Krieg. Seine Witwe und die beiden jüngeren Kinder gerieten in Chemnitz unter politische Verfolgung und flohen Mitte der 1950er Jahre in die Bundesrepublik Deutschland. Die älteste Tochter Brigitta Scheuffler (1913-1998) hingegen blieb in der DDR, studierte Chemie im Fernstudium und wurde 1963 an der Universität Leipzig promoviert.

Die Familienchronik wurde nach älteren Vorlagen von Fritz Wolfgang Scheuffler erstellt. Er wurde 1935 in Chemnitz geboren, übersiedelte in die Bundesrepublik Deutschland und studierte in den 1950er Jahren Rechtswissenschaft in München – entgegen der bisherigen Familiengeschichte und gezwungenermaßen außerhalb von Sachsen. Seine historischen Forschungen belegen jedoch eindrucksvoll, dass die Familie Scheuffler damit wohl die älteste mit der Universität Leipzig verbundene Traditionslinie besitzt.

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Sie lesen einen Beitrag der Scheufflerstiftung. Die Förderung der Wissenschaft und Forschung an der Universität Leipzig ist das Anliegen der Scheufflerstiftung. Zugleich soll mit der Stiftung an die Familie Scheuffler erinnern werden.