Die nachfolgende Familiengeschichte wurde vor 115 Jahren abgeschlossen. Rosemarie Flamme geb. Scheuffler (s.u. Ziff. 4 a 1) hat die in „Sütterlin“ (frühere Schreibschrift) handgeschriebene, im Steindruck verfielfältigte Fassung der Chronik bereits vor sieben Jahren in unsere heutige Schreibschrift handschriftlich übertragen bzw. übersetzt (wenige Wörter waren nicht zu entziffern). Ich, ihr Bruder Wolfgang, habe das Ganze endlich 2011 in den PC eingegeben und -für unseren Stamm fortgesetzt (s.u. das letzte Kapitel vor Ziff. 5/Namen und Wappen).

Starnberg-Leutstetten, Dezember 2011


M artin verließ seinen Heimatort Bockwen, so auch den Beruf der Väter, wandte sich nach der Stadt Meißen und ward am 24. September 1694 (gegen Erlegung von 23gl) Bürger daselbst als Handelsmann Krämer .. …

Am 24. November 1695 verheiratete er sich mit der „ ehrbaren und tugendsamen“ Jungfer Eva Bretschneider, der Tochter des ehrsamen und namhaften Meisters Andreas Bretschneider, Bürgers und Riemers in Lommatzsch, eines wohlhabenden und angesehenen Mannes, dessen Sohn Johann Adam nach dem Besuche der Fürstenschule zu Meißen Medico studierte, nachmals als Dr. med. in Dresden lebte und Besitzer des Ritterguts Lamnitz bei Radeberg war.

Am 21. August 1696 wurde dann Martin, der erste Sohn, Johann Gottfried geboren; als er im Jahre 1698 mit seinem Weibe nach Lommatzsch, um den Markt zu besuchen, gereist war, kam daselbst unerwartet der Eva ihr Stündlein und sie genas in ihrer Vaterstadt eines zweiten Knäbleins, das am 2. Juni genannten Jahres auf den Namen Johann Gottlob getauft wurde.

In der nächstfolgenden Zeit siedelte Martin mit seiner Familie ganz nach Lommatzsch über, wo ihm weitere sieben Kinder geboren wurden. Er gewann selbst Ansehen in der Stadt, im Jahre 1707 heißt er im Taufbuche „Rathsverwandter“, im März 1715 finden wir ihn laut Bürgerrolle im Rathsstuhle sitzend; vom Jahre 1717 ab bekleidete er das Amt des Stadtrichters, als welchem ihm auch die Steuererhebung oblag, im Jahre 1718 wird er zum ersten Male zum Bürgermeister gewählt. Die Wahl des Bürgermeisters oder Consuls fand ja auf ein Jahr durch die Rathsmitglieder mittels beschriebener Zettel statt, begreiflicherweise ging dieser Jahr für Jahr wiederkehrende Akt nicht ohne Kampf und Streit ab und mancherlei Gefälligkeit war sein Gefolge: unserem Martin wurde vorgeworfen,, dass er mit der Ablieferung der Steuern nicht Ordnung halte, weil er mit 20 fl. im Rückstand geblieben sei, schickte man ihm Execution durch den Landsknecht ins Haus, auf die hiergegen erhobene, von seinem Sohn Johann Gottlob verfasste Beschwerde erging von dieser Angelegenheit am 19. April 1723 die Verwendung, dass man Martin mit der Execution zu verschonen und nur zur Nachzahlung eines geringen Teiles anzuhalten habe. Er behielt auch weiter seine Ämter und wurde im Jahre 1728 wieder einhellig zum „regierenden“ Bürgermeister gewählt; in diesem Amte blieb er bis zu seinem Ende, obschon er neue Befehdungen zu verfolgen hatte und seine Widersacher gegen ihn vorbrachten: „dass über sein Vermögen Concursus Creditorum entstanden, überdies nicht, sowohl er, als vielmehr dessen Eheweib und Söhne das Bürgermeisteramt zu Hause verwalteten und der Mann und Vater das meiste nach ihrem Sinne vornehmen musste.“

Er starb am 10. Oktober 1731 und der Pastor loci begrub ihn am 12. desselben Monats mit der Leichenpredigt und Abdankung.

Wir aber rufen ihm ein Habdank ! in sein Grab nach um des Verdienstes willen, das er zunächst um seine Söhne, zugleich aber auch um seine späteren Nachkommen sich erworben hat; das ist die unter damaligen Verhältnissen höher als jetzt zu veranschlagende Tatsache, dass er seine beiden ältesten Söhne auf die Fürstenschule von St. Afra brachte und sie nachmals studieren ließ. Indem er so ihnen ermöglichte, dem einen Gottesgelehrten, dem anderen Rechtsgelehrten zu werden, erhob er sie aus den einfachen kleinbürgerlichen Verhältnissen in eine hohe Stufe, also dass sie sich und ihrer Nachkommenschaft Ansehen und Stellung unter den gebildeten und wohlhebenden Ständen verschaffen und den Zugang zu angesehenen Berufen und Wünschen bahnen konnten.

Die beiden ältesten Söhne bezogen 1711 gemeinsam die St. Afra-Schule und nach dem Abgang von da 1717 die Universität zu Wittenberg.

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