Abschluss der Familiengeschichte vor 115 Jahren | Älteste Zeit ab 1563

Abschluss der Familiengeschichte vor 115 Jahren | Älteste Zeit ab 1563

Die nachfolgende Familiengeschichte wurde vor 115 Jahren abgeschlossen. Rosemarie Flamme geb. Scheuffler (s.u. Ziff. 4 a 1) hat die in „Sütterlin“ (frühere Schreibschrift) handgeschriebene, im Steindruck verfielfältigte Fassung der Chronik bereits vor sieben Jahren in unsere heutige Schreibschrift handschriftlich übertragen bzw. übersetzt (wenige Wörter waren nicht zu entziffern). Ich, ihr Bruder Wolfgang, habe das Ganze endlich 2011 in den PC eingegeben und -für unseren Stamm fortgesetzt (s.u. das letzte Kapitel vor Ziff. 5/Namen und Wappen).

Starnberg-Leutstetten, Dezember 2011


Älteste Zeit

Wir Scheuffler sind, wie wenige bürgerliche Familien, in der glücklichen Lage, unsere  Vorfahren über mehr als drei Jahrhunderte mit Sicherheit und in ununterbrochener Reihe zurückverfolgen zu können-, soweit als überhaupt schriftliche Aufzeichnungen über Personenverhältnisse und Rechtsgeschäfte einfacher Leute aus bürgerlichem und bäuerlichem Stande vorhanden waren.

Die ältesten Ahnen, die wir wenigstens dem Namen nach kennen, lebten zur Zeit der Reformation und unter Vater August; die Wiege unseres Geschlechts stand in Bockwen , dem eine Stunde oberhalb Meißens links der Elbe auf der Höhe des Plassen gelegenen Dorfe, die ersten Scheuffler waren einfache Bauern, in Bockwen ansässig, nach St. Afra zu St. Martin, der Albrechtsburg gegenüber, liegen sie begraben.

Der Geschlechtsname, der, weil er kein gewöhnlicher ist, in gewissen Grenzen die Zugehörigkeit zur Familie vermuten lässt, kommt um jene Zeit verschiedentlich in Meißen und Umgebung vor, ich habe ihn urkundlich zuerst im Jahre 1563 gefunden, da am 19. Juli dieses Jahres der eben mündig gewordene Abraham Scheunfeld einen Garten in der Meisze, den er von seinem Vater Lodewig S. ererbte, weiter verkauft; doch sind diese beiden wohl nur Verwandte von uns gewesen.

Der erste, des Fleisches und Bluts wir nachweislich sind, den wir freilich nur kennen, weil er als der Vater der nachgenannten erwähnt wird, George S. in Bockwen, sein Geburtsjahr ist noch vor das Jahr 1530 zu setzen, er kann wohl noch Luther von Angesicht gesehen und seine gewaltige Rede mit eigenen Ohren gehört haben. Zwei werden als Söhne Georges aufgeführt, Andreas und Peter, und Thomas war, wie anderwärts feststeht, des Andreas Bruder, also auch ein Sohn Georges. Andreas, getauft 1574 und 1575 im Taufbuch von St. Afra in Ausübung des Patenamtes mit dem Wohnort Bockwen erwähnt, hat sich 1579 nach Meißen und weiterhin nach Jahna gewendet, wo er mit seinem Weibe Alma die Schenke bewirtschaftet hat; 1604 siedelt er mit dem Erwerb dieser, dem Haus Schumann gehörenden beiden Häusern in der Wasserburg sammt. …. und wird noch im selben Jahre Bürger der Stadt Meißen, nachdem er von Johann Zagenteuffel daselbst dessen in der Hospitalgasse gelegenes Haus“mit der Gerechtigkeit drei Biere“ zu brauen, mit etlichen alten Eisenwaffen, einem Harnisch und langen Spießen zur Hauswehr, um 650 fl. verkauft hatte. Ende des Jahres 1622 oder Anfang 1623 ist er zu Meißen, anscheinend kinderlos, verstorben. Das zuletzt erwähnte größere Meißner Haus ging im Erbgangswege auf seinen Bruder Thomas über; es ist- nach Realschuldirektors Dr. Loose’s Feststellung- dasjenige gewesen, auf dessen Grundfläche heute das große Eckhaus am …….. .. , Brand Cataster Nr. 92 (dem Korbmacher Öestreich gehörig) steht.

Peter S. wird nur als Taufpate aufgeführt.

Der schon genannte Thomas ist unser eigentlicher Stammvater ; zuerst geschieht seine Erwähnung unter dem 13. Februar 1577, dem Tage, an welchem er laut Trauungsnachrichten von St. Afra die Regina, Antonius Hauptmann’s in Lebschütz hinterlassene Tochter, zum Weibe nimmt, worauf alsbald er wie seine Gattin mehrfach als Taufpaten erscheinen und am 8. Juni 1579 sie ihr erstes Kind, ein Mädchen, Anna taufen lassen. Diesem folgt,

getauft am 15. November 1581, jedenfalls nur wenige Tage geboren, ein Söhnlein Gregorius, in dem wir den nächsten Stammhalter unseres Geschlechts zu verehren haben. Weitere Kinder waren eine Tochter Margarethe, und ein Sohn Jakob.

Anna heiratete den Simon Langbein, Margarete Hans Beyern aus Niedermuschütz.

Thomas starb hochbetagt vor Johannis 1627, nachdem er das Bockwener Gut auf

Gregorius übertragen hatte, dagegen das Meißner Haus in der Hospitalgasse an

seinen Sohn Jakob 1623 um 620 fl. verkauft hatte.

Letzterer wurde 1623 Bürger und betrieb die Gastwirtschaft, heirate auch im selben Jahre Katharina, Tittwich Schreier’s aus Paußnitz Tochter. Nicht sonderlich erfreulich ist in Dr. Loose’s Verzeichnis polizeilicher Verfügungen in der Stadt Meißen zu lesen, dass Jakob am 10. Juli 1624 2 gr. zu entrichten gehabt zur Strafe dafür, dass er zu hohen Zins genommen von ausgeliehenem Geld- ein Laster, welches in der Familie erfreulicherweise nicht erblich geworden ist.

Unser Gregorius oder George, dessen Mannesjahre auch für seinen Wohnort Bockwen schlimmen 30- jährigen Krieg fielen, heiratete im Jahre 1623 am 19. November Barbara, Simon Webers von Bockwen Tochter; von ihr bekam er fünf Kinder:

Anna geb. 1624, 15. Dezember, 1642 mit Hans Trost in Piskowitz verheiratet.

Gregorius, geb. 1626, 24. August

Maria, geb. 1628, 1649 verheiratet an Hans Bursdorff von Polenz

Margarethe, geb. 1629, 3. Oktober und

Thomas, geb. 1631, 11. Juni.

(Gregorius), er starb noch vor dem 14. November 1649.

Thomas übernahm den väterlichen Grundbesitz in Bockwen; er war ein tüchtiger Landwirt, der nicht nur dieses, sein ansehnliches , laut des Siebeneichener ? Katasters vom Jahre 1688 zwei Hufen (?) umfassendes Bockwener Gut bewirtschaftete und daselbst das Gutsrichteramt verwaltete, sondern auch eine Zeitlang das hochadelige Miltitzische Rittergut Jahna in Pacht hatte, am 19 April 1654 wurde er mit Jungfrau Christianen , Hans Fichtner‘ s zu Krögis ehelicher Tochter getraut und mit dieser zeugte er nicht weniger als 13 Kinder.

Maria, geb. 1655, 27. April,

Anna geb. 1656, 24. April, 1675 mit Peter Hauptmann in Stroischen verheiratet,

Georg, geb. 1658, 15. März,

Hans geb. 1659, 2. April,

Thomas, geb. 1660, 29. März,

Jakob, geb. 1661, 21 Juli,

Christiane, geb. 1663, 3. Februar,

Andreas, geb. 1665, 2. Januar,

Maria, geb. 1667, 7. Februar,

Regina, geb. 1669, 4. Mai.

Martin, geb. 1671, 4. Mai,

Justinia, geb. 1673, 16. Juli, 1692 mit Martin Ficke zu Mutschen bei Russeina

Verheiratet,

Rosine, geb. 1675, 29. Mai, 1694 mit Martin Mähner in Krögis verheiratet.

Im Jahre 1688 heiratete Thomas zum 2. Male eine Maria, Daniel Petzold’s, Bürgers und Steinmetzens Witwe; als er am 21. August 1695 gestorben war, wurde er (wie der größeren Feierlichkeiten wegen ausnahmsweise im Kirchenbuch zu St. Afra aufgezeichnet steht, während sonst die Beerdigung Bockwener Einwohner nur in Büchern zu St. Nicolai verlautbart wurden) 11 zu St. Martin vom Schulmeister und dem Organisten von Haus aus gesungen und mit einer Leichenpredigt zur Erde bestattet“.

Was die Schicksale der übrigen Kinder, namentlich der älteren Söhne Thomas, gewesen sind, ist unbekannt. Heutzutage kommt in Bockwen und Umgebung, ja im ganzen großen Bezirk des Amtsgerichts Meißen der Name Scheuffler unter den Bauern nicht mehr vor.

Das Bockwener Zweihufengut befindet sich bereits im Jahre 1722 im Besitze eines George Hauptmann, vielleicht eines Enkels unseres Thomas, eines Sohnes seiner zweitältesten Tochter. Desto ergiebiger fließen die Quellen über Martin und seine Nachkommenschaft.

 

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